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The boy is back in town. Da brennt einem ja förmlich die Frage unter den Nägeln: Na wie war’s? Wir haben Basti in den Räumlichkeiten unserer Kollegen besucht und zwischen feierabendlichem Budenzauber und belgischem Teufelsbier sein Monument Revue passieren lassen.

Waiting game

Bevor es auf den Bock und Strecke ging, musste Basti mit seinen Begleitern erst einmal hinkommen. Mit Falko und Stephan, bekannte Gesichter der Dresdner Radszene, ging es Donnerstagabend pünktlich 19 Uhr durch die Nacht gen Westen. Nach zwölf Stunden Fahrt kam die Gang entspannt zur Frühstückszeit an. Erste Amtshandlung: Kaffee! Aber bis auf kleine Backwaren nicht die Spur vom schwarzen Gold. Der Nächste Versuch im Hotel ist dann geglückt plus Buffet bis in die Mittagsstunden. Oh yeah! Und was steht nach durchreister Nacht und vollem Bauch auf dem Plan? Ganz klar. Ne kleine Runde von 80 Kilometern durch Versailles bei feinstem Kaiserwetter. Was sonst?
Der folgende Samstag verlief eher im Stillstand ab, da er komplett verregnet war. Basti erzählt, dass somit die geplante kleine Runde – WTF? – ins Wasser fiel, jeder sich ein bisschen um sich selbst gekümmert hat und nebenher das Internet zu Ende gelesen wurde. Mit zwei Teilnehmern aus Indien wurde ein wenig über die persönliche Quali philosophiert und da die beiden schon teilgenommen hatten, Informationsaustausch betrieben. Zusätzlich wurde mittels #PBP2019 immer ein bisschen die aktuelle Lage gecheckt und damit ein ewiges Warten beim Bikecheck prognostiziert. Das war dann aber wirklich der einzige Aufreger des Tages. Sonst ging der Kopf noch nicht an. Stadium der Tiefenentspannung. Keine Aufregung. Nichts. Alles cool.

Everything under control

Sonntag – 9:15 Uhr – Bikecheck! Vom Hotel ging es nach Rambouillet. Somit erstmals raus aus der eigenen Blase durch endlose Gassen an Zelten und Campern, hinein in eine Masse an Radfahrer*innen. Der typische Randoneur* ist, ohne jemanden nahezutreten, älteren Semesters. Somit drückte die Gang bei 6300 Teilnehmern ein klitzekleines bisschen den Altersdurchschnitt. So richtig zu fassen ist die riesige Teilnehmerzahl auch nicht, trotzdem sticht Basti sofort „Carl und Carla“ ins Auge – Hallo Dresden!
Die Anmeldung samt Check-up verläuft fluffig und weniger wie laut Hashtag orakelt. Alles ist super durchorganisiert. Kleine Flaggen zeigen den Weg zum Desk samt passender Sprache. Der Kommunikation steht somit nichts im Wege und jeder bekommt seinen Starterbeutel mit Brevet-Heft und offizieller Weste. Merci!
Als Nächstes steht die Überprüfung der Maschine an. Das ganze klingt aus Bastis Mund wie das Abholen der TÜV-Plakate im ländlichen Raum – nur ohne Kaffee aufsetzen. Licht geht, Flaschenhalter ist fest und die Bremse zieht. Erneuter Dank und bitte weitergehen.
Krönender Abschluss des ersten offiziellen Tages mit allen organisatorischen Dingen ist das Testen der kulinarischen Gegebenheiten. Leider gab es in diesem Feld die erste herbe Enttäuschung. Kredenzt wurden Nudeln, Brötchen und etwas schwammartiges, was wohl als Pastete bezeichnet wird. Dazu noch ein kleines süßes Teilchen. Alles angerichtet auf Alu-Assiette. Magnifique!
Nach dieser gastronomischen Trainingseinheit sind die Drei noch etwas über den bewachten „Parkplatz“ geschlendert, um das Zweirad-Material zu begutachten. Hauptaugenmerk – ganz klar – lag dabei auf Stahl und keinen Carbon-Feilen von der Stange. Die schönen Langstreckenrenner taten gut fürs Auge und der Spaziergang lies das Essen vergessen. Satt gesehen, ging es zurück ins Hotel.

I packed my bag and in it I put…

Als Schlussstein der Vorbereitung, sagt Basti, stand das große Packen an. Fragen wie: Was nehme ich nun alles mit? Wieviel davon braucht es denn? Regenjacke und mit Schutzbleche? Oder doch lieber ohne? Wichtig! Alles step by step. Zu allererst Übersicht verschaffen. Basti hat alle eingeplanten Utensilien und Klamotten vorsorglich auf dem Gehweg vorm Hotel ausgebreitet und ist dann sukzessive vorgegangen. Am Ende standen kleidungstechnisch ein kurzes Trikot für den Tag, eine warme Jacke für die Nacht, die offizielle Brevet-Weste, eine Wechselbib sowie ein Unternicki zu Buche. Hinzukamen Powerbank, zweites Rücklicht, eine Rettungsdecke, Handschuhe, Riegel, Arschcreme sowie Coffein- und Guaraná-Kaugummis. Wobei bei Letzterem Guaraná gegen Coffein abstinkt. Alles schnieke verpackt in seine Velo Orange Randobag mit selbstgebauten Fronträger und einer kleinen 2-Liter-Satteltasche. Schutzbleche wurden mutig abmontiert und die Regenjacke zu Hause gelassen. Zeitansatz: drei Stunden. Somit ging der letzte Tage vorm eigentlichen Start zu Ende und durch alle organisatorischen Dinge die Gedankenschraube nicht an. Viel zu tun und somit viel Ablenkung.
Zum Abendbrot gab’s für die Gang leckere französische Spezialitäten: Pizza und Rotwein. Um 23 Uhr Licht aus und Bettruhe.

Morning glory

Das in den nächsten Nächten nicht viel an Schlaf zu denken ist, war den drei Musketieren schon klar. Aber vier Stunden vor so einer Nummer? Basti meint nur salopp: „Was will ich zeitig ins Bett, wenn ich dann nicht schlafen kann?“ Gute Gegenfrage. Hardfacts für den Montagmorgen: 3 Uhr Augen auf, 4 Uhr Start vom Hotel zurück nach Rambouillet, 5:15 Uhr absolut unspektakulärer Start eines Fahrradmarathon-Klassikers. In Bastis Träumen war es eher Le Mans-like. Massenstart, Pistolenschuss mit tosendem Publikum und dann alle zusammen raus in die weite Landschaft. Der Realitätsabgleich sah wie folgt aus: Startblock Y und Z. Einordnen in Zweierreihe, ersten Stempel holen, Fahrt durch ein Gatter für die erste Zeitnahme unter Beifall von ca. 100 Zaungästen.
Vielleicht nicht das erwartete Feeling für den Beginn dieser Fahrt, deren Namen immer ehrfürchtig geraunt wird.
Basti erzählt von den ersten Kilometern und seine Augen strahlen. Nach dem Start erhebt sich ein riesiges Feld an Fahrern vor einem. Ein Meer aus Rücklichtern und Brevet-Westen wie funkelnde Sterne in der Nacht für die nächsten 120 Kilometer. Die Gang schwimmt mit der Maße und tourt sich durch die kleineren Teilgruppen. Erst beim anstehenden, ersten Checkpoint lichtet sich das Feld. Und dann ist man drin…

TO BE CONTINUED…

Christoph, Henri, René – August 2019