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Im schulischen Ableger “Jugend trainiert für Olympia” lautete der Slogan “Dabei sein ist alles.” Klar ist dieser gut gewählt, um etwaiges Scheitern klein zu halten. Andererseits drückt er die Teilnahme an etwas großem aus. Darüber hinaus hat sich diese Variante im kulturellen Olympia-Gedächtnis manifestiert. In der Satzung der IOC gilt aber das Motto “citius, altius, forties” – “Schneller, höher, weiter”. Das klingt schon eher nach dem Wetteifern, was jeder Mensch in irgendeiner Form in sich trägt und in den täglichen Wettkämpfen mit sich, Anderen oder gar Dingen wiederfindet. Die Mutter des randonneurischen Wetteiferns ist Paris–Brest–Paris. Und Basti fährt mit.

Fury Road

Paris–Brest–Paris. So heißt es und nicht anders. Der Name erinnert an den letzten Teil der Mad Max-Filmreihe. Dem, in dem es eine Stunde in die eine Richtung ging, um danach einfach eine Stunde zurückzufahren.
PBP ist vielleicht nicht der bekannteste Wettkampf in Sachen Radsport, aber es ging aus dem ältesten Rennen, was erstmalig am 6. September 1891 stattfand, hervor. Einen Rennen selbst ist es aber wiederum nicht.
Werden die harten Fakten nüchtern auf den Tisch gelegt, brummt einem schon der Kopf: 1200 Kilometer, ca. 10.000 Höhenmeter, ca. 360 Anstiege. Nach ländlichen Rechenmeistern macht das knapp 830 Meter Höhe auf je 100 Kilometer. So werden Phantomschmerzen gezüchtet. Dabei sind die Bedingungen vor Ort – saisonal oder täglich oder was auch immer– noch gar nicht bedacht. Wie sind etwaige Straßenverhältnisse, geschweige denn Wetteraussichten? Was mache ich nachts? Ach ja, bitte finishen in unter 90 Stunden.
PBP findet alle vier Jahre statt und ist für viele Teilnehmer schon Tradition. Das Fahrerfeld hat sich über die Jahre immer mehr internationalisiert und es werden die unterschiedlichsten Gefährte gesichtet – Hauptsache: Antrieb via Kette ohne Hilfsmittel. Eines haben all die Glücklichen, die einen Starterplatz ergattern konnten, gemeinsam. Ihre ganz persönliche Qualifikation, die wiederum ein Kapitel für sich ist. Um eine der 6300 Startnummern anzuheften, müssen Brevets aus dem gleichen Jahr nachgewiesen werden. Marathonrennen mit einer Länge von 200, 300, 400 und 600 Kilometer Strecke. JA! ALLE!

Man & Machine

Basti ist der Knaller. Aber eher ein tief in sich ruhender Knaller, welcher ganz kontrolliert erst auf dem Fahrrad losgeht. Auf die Beweggründe für PBP angesprochen, bleibt er ganz sachlich: die Verfassung ist vorhanden. Das hat Basti nach seinem letztjährigen 600er Brevet in Bennewitz festgestellt. Knackige 680 Kilometer bei 7500 Höhenmeter. Nach zwei Tagen Ruhe stand der Entschluss fest. Paris–Brest–Paris: ein Versuch.
Natürlich treibt ihn auch die Frage um, die sich vielleicht Viele schon gestellt haben. Was ist im Bereich Endurance möglich und wo liegt meine persönliche Grenze? Fragen der Faszination.
Für die Vorbereitung ist Basti eher bodenständig geblieben. Er ist einfach weiterhin Fahrrad gefahren wie immer. Kein Verzicht und auch kein Trainingsplan.
Eine kleine Änderung gab es dann aber schon. Diese ist aber wiederum gravierend. Basti hat sich ein neues Clueless samt Carbon-Gabel in Größe M aufgebaut. Cockpit und Sattelstütze kommen von Thomsen. Wobei ein selber polierter Acros Steuersatz verbaut wurde. Für ein angenehmes Surren und den nötigen Vortrieb fiel die Wahl auf die Ultegra RX Gruppe, welche mit einer polierten SRAM Rival Kurbel für den klassischen Look kombiniert wird. Die maßgefertigten Laufräder aus dem eigenen Haus sind Syntace W25i Felgen mit DT240 Naben. Ebenfalls poliert, versteht sich. Um alles auf unwegsame Böden zu stellen, hat sich Basti die Teravail Rampart in Größe 700 x 38 ausgesucht. Für den Arsch ein Klassiker: der Brooks Cambium C17. Hilfe gab es bei der feinen Lackierung sowie den self-made Taschenhaltern von Brainfart Industries. (Thank you!) Das Gewicht, für die die was interessiert, steht bei exakt 10kg.
Sprich: der Bursche ist fit, das Gerät ist stabil.

Life Cycle

Wir glauben, dass jeder von uns jenes Gefühl kennt, welches einen lockt und antreibt. Das einen immer wieder hinaustreibt, eingefahrene Routen verlängert, auf ein Neues klettern und manchmal einfach leiden lässt. Comfort-Zonen-Verschiebung oder Grenzverlagerung? Wir denken es sind Momente des inneren Glücks und der Zufriedenheit mit all seinen Begleiterscheinungen, die sich einstellen. Manch anderer sagt, dass es wie das Leben selbst ist. Fordernde Aktivität mit seinen schönen und nicht so schönen Seiten.
Paris–Brest–Paris steht dafür wie ein Monument und wir wünschen Basti von ganzem Herzen stabiles Material, fluffige Bedingungen und einen klaren Kopf, um sich sein eigenes zusetzen.
Kette rechts!

Christoph, Henri, René – August 2019

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