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Mitte des Jahres erreichte uns eine Nachricht von Ondrey aus der Tschechischen Republik. Er möchte einen 300 Kilometer, 150 Kilometer und 75 Kilometer Ride im Grenzgebiet nahe Decin veranstalten. Da ließen wir uns nicht lange bitten, da ein grenzübergreifender Kulturaustausch, nicht allein wegen kulinarischen Highlights, der Hit ist, ein Wochenende im Grünen winkte und wir unsere Taschenraketen für Stock und Stein präsentieren konnten. Welcome to the Bohemian Border Bash.

No-leaf clover

Um die Zahl 13 gibt es ja genügend Spuk. Noch besser wird die Nummer, wenn der Freitag mit ins Spiel kommt.
Henri war der Erste, der sich auf den Weg in den Miriquidi machte, um pünktlich zur 300er Ausfahrt an den Start zu rollen. So ging es um 6 Uhr in der Frühe gen Osten. Ankommen am Intercamp Mosquito, Ondrey highfiven, ein Sour verleihen, Taschen und Nikki anschnallen und hinaus in die beeindruckende Natur.
In den ersten Kilometern hat jeder seinen Plan für die Strecke fix. Für Henri ging es bis zur Dunkelheit und weiter mit der Suche nach einen geeigneten Schlafplatz. Für Stefan, mit dem die ersten Pfaden geteilt wurden, war klar: erst 300 km und weil Samstag ja dann frei ist, einfach nochmal 150 km. Easy. Geiler Typ!
Bei Henri hat die Aura dieses ominösen Tages – Freitag, der 13. – vollends durchgeschlagen. Und zwar Mantel sowie mehrere Schläuche. Pfff. Von ohne auf mit Schlauch umgestiegen. Weiter. Pfff. Notflicken kamen aus Köln von Wojtek. Weiter. Nach der zweiten technisch geprägten Pausen war Henri auf sich allein gestellt. Pfff…. Strike Three und letzter Schlauch. Weiter und versuchen ruhig zu bleiben.
Auf dem Weg zum Spacemountain Jested hat sich Henri Schläuche besorgt und bei einem gediegenen Abendmahl im Turmrestaurant den Kopf klar gezogen. Das ausgegebene Tagesziel lag knapp 95 Kilometer entfernt: Biwakplatz beim Schneeberg. Die Route war zum Glück, im Gegensatz zum ersten Teil, etwas entspannter und somit liefen die Klicks etwas besser auf dem Tacho. Schnell noch eine Hopfenkaltschale als Betthupferl besorgt, seine neuen Nachbarn abgegrüßt und das Nachtlager angerichtet. Der Hauptgewinn für diesen denkwürdigen Tag wäre ein brennendes Tarp gewesen. Bei aller spendenden Wärme ging es mit dem Wunsch nach einem Feuerlöscher in unruhigen Schlaf. Gute Nacht, Henri!

Last Rides

Zeitsprung: Freitagmittag. Während der Bash schon am Laufen ist, machen sich Christoph und ich auf den Weg. Die ersten Kilometer rollen sich auf dem Elberadweg mit kurzen Zwischenstopp für die letzten Besorgungen und Elbüberquerung per Fähre. Danach zieht es uns in höhere Gefilde und die letzten 45 Kilometer treten wir durch den Sächsischen Märchenwald. Für unseren Projektleiter ist die Nummer „Business as usual“. Für mich schon was besonderes. Erstens bin ich seltener im Sattel, zweitens spielte unser El Hefe die ganze Woche schon Mindgames und drittens sind es die letzten Tage mit der Sour-Gang. Somit achtsam bleiben, aufsaugen und genießen.
Das Intercamp Mosquito liegt in einer kleinen Senke einer sich erstreckenden Hochebene und beglückt unsere Augen bei unserer Ankunft mit schönstem spätsommerlichen Sonnenschein. Frisch geduscht, bereiten wir das Sourmobil für den kommenden Tag vor, beziehen unsere kleine Hütte, die bestückt ist mit Goodies aller Sponsoren und Unterstützer, und testen das erste Tschechische Bier – a ceske pivo, dobre pivo!
Der Ausklang des Abends wird mit Lagerfeuer, gegrilltem Käse sowie Klobasa und einer Präsentation zum Silk Road Mountain Race eingeleitet. Wir bestaunen geile Bilder, Felix, der uns auf unserem Weg eingeholt hat, und ich feiern diese sehr. Das Erzählte erdet uns dann eher wieder, da es einfach „next level“ ist und mit Blick auf die Möglichkeiten sowie Positiv- und Negativerfahrungen im Bereich Endurance beeindruckt es bis zum Kern. Vollgepackt mit den besten Impressionen geht es auch für uns ins Bettchen.

Vstávat a svítit!

Nach einer unruhigen Nacht geht es für Henri mit volle Kanne Sonnenschien in den Tag. Kurz einen Snack, Lager aufräumen und ab auf die höchste Erhebung der Region: den Decínský Snezník. Umspielt vom Sonnenschein ging es zum Frühstückstisch. Knoblauchsuppe gab es leider noch nicht um neun in der Früh – aber Cappuccino und Kuchen waren auch nicht schlecht! Danach beginnt das Warten bei kaiserlichem Wetter.
Mit Kaffee und Ei im Tank starten wir Richtung Schneeberg. Die Rasselbande ist seid halb 10 auf der Strecke und es sind ca. 65 Kilometer bis zum ersten Verpflegungspunkt. Genau der, den wir bespielen werden. Mit Kuchen, Bananen, Keksen, Wasser und Bars powered bei Chimpanzee. Zwei Dinge gehen uns durch den Kopf. Sind wir pünktlich? Der zweite Gedanke hängt mit dem pünktlich zusammen. Reicht unser Stash? So legen wir auf unserem Weg einen kleinen Stopp ein, legen Oblaten nach und donnern auf den Berg.
Die Wiedersehensfreude ist groß! Henri freut sich auf ein drittes Frühstück und wir uns, dass der Junge stabil vor uns steht. Gemeinsam bauen wir schnell auf und machen alles startklar für die Ankunft der ersten Pedalritter. Der selbstauferlegte zeitliche Druck verfliegt, als wir fertig sind und wir realisieren, dass es echt noch dauern könnte, bis die ersten Basher vorfahren. Wir vertreiben uns die Zeit mit einem der schönsten Blicke über die Sächsische-Böhmische Schweiz, Tanzeinlagen und erzählen uns gegenseitig unsere kleinen Abenteuer.
Alle Teilnehmer kommen bei uns auf ihre Kosten. Das Buffet wird moderat abgegrast, die Trinkflaschen befüllt und noch ein zwei Sachen für unterwegs verpackt. Es wird sich rege über die erfahrene Strecke unterhalten und was noch viel wichtiger ist: Was liegt noch vor einem? Henri trifft Stefan auf seiner zweiten Runde wieder. Das bockt ihn einfach die 150er Variante mit mehr anstehenden Kilometern zu Ende zu fahren. Mix it Baby!
Nachdem wir auf die letzten Nachzügler gewartet haben, bauen wir langsam unseren Drive Through ab, gondeln ins Tal, um beim nächsten Supermarkt etwas Treibstoff für den Abend zu besorgen. Henri freut’s – hoffentlich.

Fire!

Henris Motor geht gute 30 Kilometer vorm Ziel nochmal richtig an. Kann nur am Essen liegen und natürlich der Vorfreude auf einen feurigen Abend. Ondrey begrüßt alle Finisher mit einem Empfangsbier und wir schauen in doppelt glückliche Gesichter. Nachdem jeder sich ausgehfein gemacht hat, werden die ersten Stücke vom Spanferkel und vegetarische Variationen gereicht. Und es wird ein wenig kühl. Wir schmieden schon Pläne wie wir das aufgebaute Schwedenfeuer anbekommen – ganz sneaky versteht sich. Ondrey erklärt uns aber, dass da noch eine Überraschung wartet. Eh… und was für eine. Aus den Augenwinkeln nehmen wir die ersten kleineren Flammen schon war, bis eine fulminante Feuershow wie die Schlacht um Helms Klamm abgeht. Akrobatische Jonglage , mittelalterliche Kostüme und Feuersäulen mit Funkenflug in den Nachthimmel. Fett!
Ein großartiger Abschluss eines genialen Wochenendes, welches jetzt schon mit Wehmut nach Wiederholung ruft. Wir danken Ondrey für seine Einladung, den Teilnehmern und Mitstreitern, die diesen Bash überhaupt möglich gemacht haben.
Für mich geht noch einer raus an Christoph und Henri! Danke für die schöne Zeit.

Christoph, Henri, René – September 2019

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